PereSplus goes Europe


Cross-Border Seminar 2020: Transition as a Process: The Role of Guidance (Übergänge als Prozess: Die Bedeutung von Beratung)

Das Cross Border Seminar ist eine internationale Konferenz zum Austausch für (Berufs-)Beraterinnen und –berater sowie politische Entscheidungsträger. Die CBS findet seit 2005 statt und soll einen Austausch von Erfahrungen und guten Praxisbeispielen ermöglichen. Insgesamt sind 11 europäische Länder beteiligt mit jährlich wechselndem Veranstalter. Dieses Jahr war Portugal Gastgeber, doch konnte durch die Corona Pandemie und unklare Reisebestimmungen im Mai die Konferenz nicht stattfinden. 

Daher war es umso schöner, dass sich die Veranstalter die Mühe gemacht haben, alles auf online umzustellen. So konnte die Konferenz am 26.+27.11.2020 digital durchgeführt werden. Es gab ein großes Spektrum an Themen rund um das Thema Beratungen. Und PereSplus mittendrin! Wir wurden von einer Mitarbeiterin der ZAV (Zentrale Auslands- und Fachvermittlung) und des Netzwerkes EURES (European Employment Service) eingeladen, einen Gastbeitrag zu leisten. Dieser Einladung sind wir natürlich gerne gefolgt. 

Und so kam es, dass ich zur CBS Ende November eine von elf Workshop-Leiterinnen und die einzige Repräsentantin aus Deutschland war. Mir kam somit eine große Ehre zuteil, über das Thema Studienabbrüche und Alternativen zum Studium zu referieren – auf Englisch. Weil das Interesse am Thema so groß war, konnte ich den Workshop zwei Mal im Verlauf der Veranstaltung durchführen. Eine weitere Besonderheit.  

Drop out and drop dead or Are there better solutions when aborting a study?

Der Veranstaltungsplan der CBS bestand hauptsächlich aus den Workshops und wurde umrahmt von wissenschaftlichen Beiträgen von Prof. Dr. Alexandra M. Araújo (“Facilitating Successful School and Career Transitions: A Strengths-Based Approach”), Universität Porto, und Prof. Dr. Jérôme Rossier (“The importance of providing life-long career guidance for all in an uncertain world”), Universität Lausanne. 

Das PereSplus-Workshopprogramm bestand aus drei Teilen: 

  1. Vorstellung der Projektinhalte und –ziele,  
  1. Diskussion unter allen Teilnehmenden sowohl zu Gründen für Studienabbrüche als auch zur Rolle von Unternehmen bei der Ausbildungssuche, 
  1. Präsentation ausgewählter Projektergebnisse aus sechs Jahren Projektarbeit. 

Die Umstellung auf Online-Veranstaltungen ist auch für uns im Projekt neu. Wir arbeiten täglich mit Videochats und kollaborativen Arbeitsformen. Die Corona-Krise war definitiv ein Digitalisierungsbeschleuniger für mich. Doch vor den Tücken dieser Digitalisierung ist man nie sicher. 

Es fing damit an, dass ich am ersten Tag verspätet meinem eigenen Workshop zugeordnet wurde. Meinen Bildschirm und somit die Präsentationsfolien konnte ich dann auch nicht sofort mit den Teilnehmenden teilen (sogar nicht mit Hilfe des technischen Supports). Ich habe dann nach etwa 15 Minuten zufällig eine Lösung entdeckt. Nachteilig war daran, dass auch die Teilnehmenden Kontrolle über die Folien hatten. Das war mitunter sehr witzig, manchmal aber auch frustrierend. Und etwa 20 Minuten vor Ende des Workshops bin ich einfach aus der Veranstaltung geflogen. “Ihre Sitzung ist abgelaufen”. Schnell wieder einloggen und den Host freundlich bitten, mich zu meinem eigenen Workshop zuzulassen. Aufregend.  

Don’t worry, Julia. We all have been there.

Teilnehmerin des Workshops

Meine geduldigen Teilnehmenden waren zum Glück noch alle da und hatten großes Verständnis. Das war total beruhigend (obwohl ich in dem Moment alles andere als ruhig war). An einen Kommentar erinnere ich mich: “Don’t worry, Julia. We all have been there 😉“ (Keine Sorge, so ging es uns allen schon einmal). Leider musste ich während der ersten Durchführung feststellen, dass meine geplante Diskussion nicht in kleineren Diskussionsrunden stattfinden konnte. Ich hatte andere Vorstellungen davon, wie ich die Technik nutzen konnte. Es gab kein ausführliches Kennenlernen des Programms.  

Aber eine professionelle Projektmitarbeiterin bringt so etwas nicht aus dem Gleichgewicht. Für den nächsten Tag habe ich meine Folien überarbeitet und umgestaltet, damit eine einfachere Gruppenarbeit stattfinden konnte. Ganz ohne große technische Spielereien.

Die Präsentation konnte ich dieses Mal schneller teilen (ich wusste ja jetzt wie). Einen technischen Aussetzer gab es zwar leider wieder. Aber auch hier warteten meine Teilnehmenden geduldig und unterhielten sich in meiner Abwesenheit und lernten sich besser kennen. Interkulturelle Kommunikation könnte man sagen.  

Der Austausch war insgesamt sehr inspirierend. In anderen Ländern haben Studienabbrechende andere Probleme oder brechen aus ganz anderen Gründen ihr Studium ab, beispielsweise weil die Eltern nicht mehr für das Studium bezahlen können. Und auch, dass Unternehmen manchmal Unterstützung benötigen, ist in Deutschland eine besondere Perspektive. Die meisten Beratenden hatten eher mit Jugendlichen bzw. jungen Erwachsenen zu tun und kannten nur deren Perspektive.  

Das Cross Border Seminar hat mir gezeigt, wie wichtig und wie facettenreich die Arbeit in der Berufsberatung ist. Es macht mich stolz, dass ich durch PereSplus Teil daran haben durfte und die eine oder andere junge Person kennenlernen und auf dem Weg der Neuorientierung begleiten dufte. Der internationale Austausch war eine unglaubliche Besonderheit und hinterlässt hoffentlich europaweit seine Spuren. 

Julia Heisler